FAQ: Dein Einstieg in die Politik

Du willst Dich politisch engagieren, weißt aber nicht, wie Du anfangen kannst? Hier findest Du Tipps für Deinen Einstieg in die Politik - von der Suche nach der richtigen Partei über die Kandidatur für ein Amt oder Mandat bis zum Schutz vor Hass und Hetze. 

Eine junge Frau und ein junger Mann machen ein Selfie vor dem Brandenburger Tor in Berlin
© Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Wie finde ich heraus, welche Partei am besten zu mir passt?

Wie finde ich heraus, welche Partei am besten zu mir passt?

Der erste Schritt ist, Dich mit Deinen eigenen Werten und politischen Zielen auseinanderzusetzen. Überlege Dir: Welche Themen sind Dir besonders wichtig (z.B. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaft, Bildung)? Wofür die Parteien grundsätzlich stehen, schreiben sie häufig in sogenannten Grundsatzprogrammen fest. Aufschlussreich sind außerdem Parteiprogramme. Lies diese Dokumente, verfolge Debatten und nutze Tools wie Wahl-O-Maten zur Orientierung. Noch wichtiger: Geh zu Veranstaltungen, sprich mit Mitgliedern und erlebe die Partei „von innen“, also ihre Kultur. Oft zeigt sich erst im persönlichen Austausch, ob Du Dich dort wohlfühlst. Wie sympathisch Dir die anderen Parteimitglieder in deinem Ort sind, darf dabei auch den Ausschlag geben – vor allem, wenn Du zwischen zwei Parteien stehst.

Muss ich mich sofort festlegen oder kann ich auch erst ausprobieren?

Du kannst Dir Zeit lassen. Viele Parteien bieten offene Treffen oder Veranstaltungen an, bei denen Du unverbindlich reinschnuppern kannst. Nutze diese Möglichkeit, bevor Du Dich fest bindest. Es ist völlig legitim, verschiedene Angebote zu vergleichen und erst nach einiger Zeit Parteimitglied zu werden.

Wie verhalte ich mich als Neuling in einer Partei am besten?

Sei offen, neugierig und geduldig. Am Anfang musst Du nicht sofort bei allem mitreden oder Deine Positionen durchsetzen. Höre zu, stelle Fragen und lerne die Strukturen kennen. Zeige Engagement, indem Du bei Veranstaltungen hilfst oder kleinere Aufgaben übernimmst. Geh in Arbeitskreise, in denen Du Deine Expertise einbringen kannst. Und finde Verbündete, Menschen, mit denen Du gerne Zeit verbringst und Projekte startest. 

Muss ich politisches Vorwissen mitbringen?

Nein. Viele Menschen steigen ohne tiefes Fachwissen ein. Wichtig ist eher Interesse und die Bereitschaft, sich einzuarbeiten. Politisches Wissen kommt mit der Zeit – durch Diskussionen, Veranstaltungen und eigene Erfahrungen. Niemand erwartet, dass Du am Anfang alles weißt.

Was, wenn ich mit Entscheidungen meiner Partei nicht einverstanden bin?

Das kommt dauernd vor und gehört zur politischen Arbeit dazu – es wäre sehr außergewöhnlich, wenn Du in allen Punkten mit Deiner Partei übereinstimmst. Parteien leben von internen Debatten und sind ein Ort, in dem es explizit darum geht, über diese gemeinsame Positionen zu entwickeln. Du kannst Deine Meinung einbringen, Anträge stellen oder Diskussionen anstoßen. Gleichzeitig musst Du akzeptieren, dass Mehrheitsentscheidungen nicht immer Deiner eigenen Position entsprechen.

Sollte ich auch in die Jugendorganisation meiner Partei eintreten?

Das ist in der Regel eine sehr gute Idee. Jugendorganisationen bieten Dir die Möglichkeit, Dich mit Gleichaltrigen auszutauschen, schneller Verantwortung zu übernehmen und politische Erfahrungen zu sammeln. Sie sind mitunter offener für neue Ideen und geben Dir Raum, Dich auszuprobieren. Gleichzeitig kannst Du dort ein Netzwerk aufbauen, das Dir später in der Partei hilft.

Du musst dafür übrigens nicht volljährig sein, bei vielen Parteien kannst Du schon ab 14 Jahren Mitglied in der Jugendorganisation werden. 

Wie viel Zeit muss ich investieren?

Das ist unterschiedlich und hängt von Deinem eigenen Anspruch ab. Du kannst Dich punktuell engagieren oder dauerhaft sehr aktiv sein. Wichtig ist, dass Dein Engagement zu Deinem Alltag passt – gerade wenn Du Schule, Studium, Ausbildung, Arbeit oder Familien mit Deinem Engagement unter einen Hut bringen musst. Qualität ist oft wichtiger als Quantität.

Auf welche parteiinternen Ämter kann man kandidieren?

Oft unterscheiden sich die genauen Bezeichnungen zwischen verschiedenen Parteien und ihren Landesverbänden. In der Regel gibt es aber Strukturen auf der lokalsten Ebene, die Ortsverbände (manchmal auch Ortsgruppen) heißen. Darüber folgen Kreisverbände und Landesverbände. Auf jeder Ebene gibt es normalerweise einen Vorstand aus mehreren Personen. Unter ihnen gibt es einen Vorsitzenden und „Beisitzer“, also reguläre Vorstandsmitglieder, und einen Schatzmeister, der sich um die Finanzen kümmert. Auf diese Ämter kann man kandidieren. Es empfiehlt sich, dies nicht einfach zu tun, sondern gerade zu Beginn erst einmal zu beobachten und die Gesamtlage zu erfassen: Gibt es schon jemanden, der das Amt hat? Wird ein Amt frei? Gibt es bereits potenzielle Kandidierende? Wenn Du grundsätzlich Interesse hast, mehr interne Verantwortung zu übernehmen, solltest Du dies bei Gelegenheit äußern – nicht als Anspruch, sondern als allgemeine Interessenbekundung. 

Wie komme ich auf einen Listenplatz für Wahlen?

Vor Wahlen werden parteiinterne Listen aufgestellt. Um auf einer Liste einen (guten) Platz zu bekommen, sind kontinuierliches Engagement, Sichtbarkeit und Vertrauen innerhalb der Partei wichtig. Nimm regelmäßig an Partei-Veranstaltungen teil, übernimm Verantwortung, sei zuverlässig und bring Dich inhaltlich ein. Netzwerken spielt auch eine große Rolle. Gute Beziehungen zu anderen Mitgliedern helfen, Unterstützung zu gewinnen. 

Kann ich auch ohne Partei in die Politik?

Du kannst bei Wahlen auch parteilos kandidieren. Vor allem auf kommunaler Ebene ist das gar nicht unüblich. Hier stellen Parteien auch mitunter parteilose Kandidierende auf oder parteilose Bürger schließen sich zu Wählergruppen zusammen. Wenn Du allerdings perspektivisch auf Landes- oder Bundesebene Politik machen willst, solltest Du definitiv über einen Parteieintritt nachdenken. Die Mitgliedschaft in einer Partei hat aber auch sonst Vorteile: So kannst Du die Infrastruktur der Partei mit nutzen, lernst viele Gleichgesinnte kennen und bekommst Unterstützung für Deine politischen Anliegen. 

Wie schütze ich mich vor Hass und Hetze?

Behalte gut im Blick, was im Internet über Dich auffindbar ist. Du kannst z.B. sensible Informationen per Google-Suchantrag aus der Google-Suche löschen lassen. Achte auf IT- und Datenschutz. Nutze Moderations- und Blockierfunktionen auf Plattformen, dokumentiere Angriffe rechtssicher und melde strafbare Inhalte. Sprich auch mit Deiner Partei und Deinem Umfeld darüber, bau Dir bestenfalls ein Netzwerk für Unterstützung auf. Hol Dir im Zweifel professionelle Unterstützung, z.B. bei HateAid. Auf ihrer Website findest du viele hilfreiche Informationen, auch zum Thema Prävention.

Was mache ich, wenn ich mich nicht ernst genommen fühle?

Das kann leider vorkommen – besonders als junger Mensch. Wichtig ist, dass Du dranbleibst und Dir Verbündete suchst. Oft hilft es, Dich mit anderen jungen Mitgliedern zu vernetzen oder aktiv Themen zu übernehmen, um sichtbar zu werden. Nutze auch Talentnetzwerke und Mentorings, um dazuzulernen und Feedback von verschiedenen Personen zu bekommen.  

Noch Fragen? Tipps zum Einstieg und Erfahrungen von Politikerinnen und Politikern findest Du auch auf unseren Social-Media-Kanälen.

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